Unter Kommune verstehen wir eine spezifische Form von Gemeinschaft, für die Menschen sich entscheiden, die links-emanzipatorische Weltanschauungen teilen, kapitalistische Verrechnungs- & Eigentumslogiken überwinden wollen, um strukturell gleichberechtigt und verbindlich solidarisch zusammen zu leben, im kontinuierlichen Bemühen um den Abbau von Dominanz- und Gewaltverhältnisse untereinander und für ein gutes Leben aller innerhalb und möglichst auch außerhalb der Gemeinschaft. (Sehr ähnlich, ausführlicher und leichter verständlich findest du das hier)
In der Praxis bedeutet Kommune für uns ein auf Langfristigkeit ausgerichtetes Zusammenleben, das ermöglicht, sich in Entwicklungs- und Veränderungsprozessen zu begleiten, die Kontinuität, Vertrauen und Zeit brauchen. So möchten wir z.B. Rollen- und Handlungsmuster sowie andere gesellschaftliche Orientierungen wie unterschiedliche Wertigkeiten von Menschen, Individualismus und viele weitere „Normalitäten“ in Frage stellen, aufweichen und durch Besseres ersetzen. Sie sind oft so allgegenwärtig präsent und zugleich so unterschwellig, dass Menschen andere Menschen brauchen, die sie gut wahrnehmen dürfen und können, die ihnen annehmbares Feedback geben und bei denen sie trotzdem keine Angst vor Ablehnung und Ausschluss haben müssen. Auch individuelle Themen können derartiges erfordern. Wir möchten das auch.
Und wir möchten, dass wir uns in der Gemeinschaft gegenseitig Geborgenheit schenken, was auch bedeutet, einander unabhängig von situativer Lust und Laune (etwa nach einem Streit) verlässliche Sicherheiten und bessere Lebensbedingungen zu verschaffen.
Dafür und für die erweiterten Möglichkeiten politisch-gesellschaftlichen Wirkens, erscheint es uns notwendig und folgerichtig, dass wir innerhalb der Gemeinschaft verbindlich und verlässlich unsere Ressourcen, Chancen, […] Privilegien teilen bzw. einander zugänglich / nützlich machen – Vgl. hier.
Wir brauchen, dass wir uns auch weiter in die Zukunft gedacht aufeinander verlassen und miteinander planen (können).
Der Gründungs- und Einstiegsprozess für neue Kommunardis soll daher schrittweise erfolgen, damit für Erfahrungen, Fragen und Wünsche genügend Zeit bleibt. Wir denken, ein Jahr könnte für viele ein angemessener Zeitraum sein, sich für den Einstieg und die gemeinsame Ökonomie zu entscheiden. Die Vergemeinschaftung kann dann schrittweise nach unserer getroffenen Vereinbarung erfolgen.
Da gemeinsame Ökonomie, also das Teilen der Ressource Geld, viele nicht-kommune-erfahrene Menschen erst einmal fordert, hier ein paar Argumente extra dazu:
Wir brauchen insgesamt weniger Geld (weil vieles gemeinsam benutzt oder organisiert werden kann etc.) und sind als Individuum weniger Lohnabhängig (weil ein Jobverlust bei vielen Einkommen weniger ins Gewicht fällt, als bei einem oder zweien), außer etwa der Aufenthaltsstatus hängt davon ab. Wir sichern uns gegenseitig ab und machen einander mehr möglich, verschaffen einander Freiheiten, zu wählen, was wir wann wie machen wollen…
Ohne die Bedrohung durch mögliche finanzielle Not verliert Geld an Bedeutung und mehr noch, je mehr unsere Bedürfnisse befriedigt werden (können).
Es verändert sich, wie wir (über) uns selbst und andere Menschen denken und fühlen.
Gedanken um Eigentumsfragen und andere kapitalistische Normalitäten (… Kann ich wohl schon wieder fragen, ob ich mir was ausleihen darf / Hilfe bekomme? War ich „besser“ als xy? Hoffentlich haben die nicht gemerkt, wie es mir tatsächlich ging / dass ich keine Ahnung hatte / nicht konzentriert dabei war… ) werden selten, während die Wahrnehmung von Ich-Grenzen und Bedürfnissen zwischen uns und anderen wichtiger, sensibler und genauer wird (…Wo enden meine Wünsche und Projektionen und wo rage ich damit schon in den Bereich der anderen Person hinein? Wie kann ich besser gesehen und verstanden werden? Was ist mir -eigentlich wirklich- wie wichtig? Warum fühle ich so? Kann ich den anderen vertrauen? Wie viel Raum einzunehmen ist okay? Wie viel Ressourcenverbrauch ist okay? … Wie finden wir Lösungen, mit denen alle zufrieden sind? …).
Es scheint so sehr komplex und schwierig, alles greifbar auf den Punkt zu bringen, ohne ein Buch darüber zu schreiben…
Schließlich wünschen wir uns ein Miteinander entstehen zu lassen, dessen Wachstum neben Inspiration und Erfahrungsweitergabe durch andere Menschen von uns allen viel Aufmerksamkeit, Reflexion, Engagement, Standhaftigkeit, Bemühen, Wohlwollen und allerlei (noch zu entwickelnde) psychische Fähigkeiten fordern wird – und so also auch professionelle Unterstützung und Begleitung von Außen.
Das ist in losen Zusammenhängen ohne geteilte Ressourcen und Verbindlichkeiten kaum erreichbar.
